Der Goldstandard

Um die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten zu verstehen, muss man 70 bzw. 43 Jahre zurückschauen. Am 15. August 1971 legte der damalige US-Präsident Richard Nixon den Grundstein für das heutige Wirtschaftssystem, indem er die Goldbindung des Dollar aufhob und das seit 1944 in Bretton Woods festgesetzte Weltwährungssystem beendete. Bis 1971 war der Goldpreis je Feinunze auf 35 Dollar festgelegt.
In einer Fernsehansprache an das amerikanische Volk ließ er auch die restliche Welt unmissverständlich wissen, dass sich die USA von nun an weigern würden, den Dollar jederzeit gegen eine festgelegte Menge des Edelmetalls einzutauschen. Bis zu diesem Tag war es jedem möglich, 35 Dollar gegen eine Feinunze (31,1 Gramm) eintauschen.
Mit nur einer Unterschrift hatte Nixon im August 1971 diesen historischen Goldstandard aufgehoben und begründete diesen drastischen Schritt mit Spekulationen gegen die USA. Es erscheint unglaubwürdig, dass Nixon und seinen Beratern die fatalen Auswirkungen auf das weltweite Währungssystem zu dem Zeitpunkt nicht schon bewusst waren. Der eigentliche Grund dafür lag darin, dass sich die USA durch die Kriege in Korea und Vietnam finanziell übernommen hatten, um die Finanzierung aber zu gewährleisten, wurden zu viele Dollar in Umlauf gebracht. Der Rest der Welt glaubte nicht mehr daran, dass die USA ihre Schulden noch im Griff hatten, das weltweite Vertrauen in die Leitwährung schwand, zahlreiche Notenbanken tauschten ihre Dollarreserven in Gold, allen voran Frankreich. Mit dem einher entstand eine neue Gefahr für die USA, der langfristige Ausverkauf der US-Goldreserven, so dass Nixon die Notbremse ziehen musste. Zwei Jahre nach der schicksalhaften Trennung vom Gold wurden dann sämtliche Wechselkurse zum Dollar freigegeben.
Ab diesem Zeitpunkt war die Weltleitwährung Dollar nur mehr eine Papierwährung, welche ohne einen Gegenwert in Gold, beliebig vermehrt werden konnte. Die Konsequenzen für das gesamte Geldsystem waren tief, da es keine feste Größe mehr gab, an die der Wert der Devisen gekoppelt war. Die Zentralbanker hatten plötzlich freie Hand bei ihrer Geldpolitik, da es keine Beschränkungen mehr gab, die Währungen stets mit Gold zu unterlegen. Dieses Wegbrechen fester Regeln lässt sich bis in die heutige Geldpolitik beobachten. Für die EZB wäre es in Zeiten des Goldstandards nicht so einfach gewesen, 22 Milliarden Euro zu drucken und damit italienische und spanische Staatsanleihen aufzukaufen, wie es die europäischen Währungshüter 2011 getan haben. Genauso unvorstellbar hätten die amerikanische und britische Notenbank die Geldmenge in der gigantischen Menge aufblähen können, um die milliardenschweren Aufkaufprogramme der letzten Jahre zu finanzieren.
Viele Experten sind sogar der Meinung, dass Nixons Entscheidung die Basis für die Finanzkrise von 2008, die im Kern immer noch andauert, ist. Der Wegfall der Regeln hat das Finanzsystem erheblich destabilisiert, da Staaten seither weitgehend ungehindert Schulden auftürmen konnten. Die Schuldenquote, hier wird die Höhe der Verbindlichkeiten gemessen an der Wirtschaftsleistung eines Landes, kletterte in den darauffolgenden gut vier Dekaden etwa in Deutschland von 18 auf über 80 Prozent, in Frankreich auf über 95 Prozent, in den USA verdoppelte sie sich von 50 auf inzwischen 105 Prozent und in Japan verzwölffachte sich die Schuldenquote gar von rund 20 auf über 240 Prozent im Jahr 2014. Jede Krise wurde mehr oder weniger durch das Anwerfen der Gelddruckmaschine beseitigt.
Aufgrund dessen sind die vom Gold losgelösten Geldmengen weit stärker gestiegen, als der Wert der produzierten Güter und Dienstleistungen. Es konnten sich riesige Ungleichgewichte und Spekulationsblasen auf der Welt bilden, die spätestens 2008 in die Katastrophe führten. Die gegenseitige Währungspolitik folgte seit der Aufhebung des Goldstandards teils chaotischen Regeln, da weltweit die Notenbanken intervenierten, um den Kurs der eigenen Währung zu steuern. Jeder unter uns, ob Anleger oder nur als Verbraucher, bekommt die Folgen zu spüren, da der Wert der Währungen durch die Aufhebung der Regelbindung systematisch unterwandert wurde. Von 1971 – 2011 hat der Dollar gegenüber dem Gold 97 Prozent an Wert eingebüßt, die D-Mark bzw. Euro "nur" 94 Prozent verloren.
Dies hat bereits zu einem Umdenken geführt. Nach Jahren, in denen die Notenbanken ihre Goldreserven verkauften, stockten die ersten wieder auf. In Zeiten solch enormer Staatsverschuldungen führt offenbar kein Weg mehr an Gold vorbei. Dies sollte jedem Einzelnen uns auf natürliche Weise zu Denken geben.